Ein Sonntagmorgen, eigentlich viel zu warm für einen Tag im Februar. Im Morgengrauen starten wir in Richtung unseres Ziels. Uns zieht es zu einem verlassenen Kinderheim. Es befindet sich inmitten eines kleinen Örtchens mit weniger als tausend Einwohnern. 1824 als Landeswaisenhaus errichtet, wurde es schon bald darauf als Anstalt für die Umerziehung krimineller Kinder genutzt. Von 1933 bis 1945 wurden hier stattdessen missliebige Erwachsene zwecks „Umformung“ untergebracht. Nach dem Krieg blieb die Nutzung ähnlich, nur die politischen Vorzeichen änderten sich – ein „Jugendwerkhof“ bezog Quartier in der Anlage. Von 1960 bis zur Schließung im Jahre 1989 wurde der Gebäudekomplex seiner bisher letzten Verwendung als ein Spezialkinderheim für schwer erziehbare Jugendliche zugeführt. 2003 wurde das Grundstück an einen Investor verkauft, der bislang allerdings keine nennenswerte Aktivität zeigte.
Ein Ort der Freude ist das ganze Gelände wohl nie gewesen und einige Details legen davon schweigendes, aber beredtes Zeugnis ab.

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Die Möglichkeit des Zellenarrests ist wahrscheinlich noch die harmlosere Variante gegenüber dem untenstehenden Schlafraum, den wir im Keller eines der Gebäude fanden. Über seine Bedeutung lässt sich nur spekulieren.

Das Licht im Bild stammt aus einer von uns mitgebrachten Lichtquelle. Ohne diese wäre der Raum in vollständige Finsternis gehüllt gewesen.


 

Der Gebäudekomplex selbst ist sehr weitläufig. Die Außenareale sind größtenteils überwuchert. Die einzelnen Häuser dienten erkennbar verschiedenen Einsatzzwecken. So gibt es Schulgebäude mit Klassenräumen, Schlafhallen, ein Zeughaus und einen weiteren Bau, dessen Grundriss deutlich von dem der anderen abweicht. Er berhergt eine Werkstatt, weitere Räume wirken jedoch wie Unterkünfte für Erzieher.

Verbunden sind die einzelnen Blöcke interessanterweise durch unterirdische Gänge, die von Versorgungsleitungen durchzogen werden, aber auch problemlos die Passage von schmalen Personen gestatten.

Im Inneren der Gebäude trafen wir auf viel knochentrockenen Staub und harte Lichtstrahlen.

 

Was man nicht vergessen darf, ist das Alter der Anlage. Mit dementsprechender Vorsicht ist jeder Schritt zu setzen. Es gab bröckelnden Putz, aufgetürmten Schutt und eingebrochene Decken in ausreichender Menge zu besichtigen. Und was dem einen die Decke, ist dem anderen der Fußboden. Manche Räume haben wir deswegen sicherheitshalber nicht betreten. Zum Beispiel wenn er offenkundig fortwährender Nässe ausgesetzt gewesen war, aber auch wenn er sich nur weich unter dem Fuß oder sonstwie verdächtig anfühlte.

 

Der Ausflug hat uns viel Spaß gemacht. Ein kleiner Rest von Bilder findet sich auf dem ….

Cutting Room Floor