Unseren Sommerurlaub verbrachten wir 2019 nicht an der Ostsee oder im Harz, sondern in Rumänien. Das kleine Land tief im Osten Europas ist sicherlich nicht typischerweise das erste, an das man bei der Urlaubsplanung denkt. Das ging uns nicht anders und es war auch nicht unsere Idee – wir schlossen uns aber durchaus motiviert der Reisegruppe meines Vaters an.

Meine Motivation war unter anderem, eine größere Reise mit dem alten BMW zu unternehmen – einem 7er der Baureihe E23 mit Baujahr 1984 – und seine Qualitäten als Familienreiselimousine auf die Probe zu stellen.

Erstes Ziel sollte der kleine Ort Michelsberg bei Sibiu (Hermannstadt) sein, wo ein deutschsprachiger Gastgeber ein Haus für Feriengäste zur Miete anbot. Um dorthin zu kommen, musste aber zunächst eine Strecke von 1333 km bewältigt werden.

 

Die Hinfahrt sollte ein Solo-Ritt werden, um meiner schwangeren Frau und dem fünfjähigen Sohnemann, die per Flugzeug nachkommen sollten, wenigstens eine der Fahrtstrecken zu ersparen.

Und so setzte ich mich eines schönen Morgens mit dem alten, vollbeladenen Bajuwaren in Marsch. Zunächst galt es, der lokalen Volvo-Vertretung einen Besuch abzustatten, um einen Nivomat als Ersatzteil für den 965 meines Vaters abzuholen. Nachdem das erledigt war, konnte die eigentliche Reise beginnen.

Erstmal ’ne Wurst.

Mein Weg führte mich über Dresden, Prag und Bratislava in einen kleinen Ort bei Budapest, in dem ich per AirBnB eine Unterkunft für die Nacht gebucht hatte. Auf dem Weg dorthin hatte ich ein interessantes Erlebnis. Auf der Autobahn näherte sich mir unter Aufbietung kreativer Fahrlinien ein mit Osteuropäern besetzter BMW 5er mittelalten Baujahres. Der Fahrer gab vielfach Lichthupe und bedeutete mir mit Gesten durch das geöffnete Fenster, ich möge anhalten. Davon sah ich angesichts des Erscheinungsbildes der Fahrzeugbesatzung allerdings ab, und nach einigen Kilometern ließen sie sich zurückfallen. Würde ich behaupten, der Vorfall hätte mich vollständig kalt gelassen – es wäre gelogen. Dazu ist anzumerken, dass mein Vater auf der Rückfahrt ein Erlebnis gleicher Art hatte und natürlich ebenfalls nicht anhielt. Später fand ich in den Reisehinweisen des auswärtigen Amtes zur Tschechischen Republik eine Warnung vor solcherlei Praktiken, die im besten Fall in Betrug und im schlimmsten Fall in Raub münden konnten. Wir waren also offenkundig nicht die ersten und vermutlich auch nicht die letzten, die dort mit den Wegelagerern der Neuzeit Bekanntschaft machten.

Am Ende kam ich aber doch im gebuchten AirBnB an. Die Unterkunft bestand in einem abgeschlossenen Teil eines Einfamilienhauses, dass sich in einer umzäunten Wohnsiedlung befand. Also eine „Gated Community“, wie ich sie eigentlich nur in den USA vermutet hätte.

AirBnB in Ungarn

Am darauffolgenden Tag setzte ich meine Reise fort und vertrieb mir die Zeit mit Podcasts und Hörbüchern. Eine etwas längere Zwangspause legte ich dann an der Grenze zu Rumänien ein. Dort wurden die Fahrzeuge einzeln abgefertigt und kontrolliert. Und das bedeutete Anstehen und Warten. Ein Umstand, der den Reisenden nicht schrecken kann – außer er fährt einen alten BMW, dessen Aggregat im Stand nicht ausreichend durch Frischluft gekühlt wird, was die Kühlmitteltemperatur in bedenkliche Höhen steigen lässt. Die hoch stehende Sonne tat ihr übriges dazu, und so wurde es zu einem Stop-And-Go-Spiel, mit dem ich mich Wagenlänge für Wagenlänge an den Grenzposten heranrobbte, immer in der Hoffnung dass die Batterie gut im Saft steht und auch den fünfzehnten Start noch verzeiht.

 

Am Ende war die Grenze erfolgreich übertreten und das Fahrzeug verrichtete nach wie vor seinen Dienst. Also setzte ich ohne weiteren Verzug den Marsch in das rumänische Hinterland fort. Meine Fahrt führte mich an Arad und Timișoara vorbei, über bergige Landstraßen und am Flusslauf der Mieresch entlang. Das Wetter wechselte zwischen Sonnenschein und Starkregen. Der Blick aus dem Fenster offenbarte ein Land, das sicher nicht von Reichtum geprägt war, aber einen rustikalen Charme vorzuweisen hatte. Die ersten Eindrücke unterschieden sich nicht sehr von anderen osteuropäischen Ländern. Mit der Steigerung, dass Straßenhunde wirklich überall zu finden waren.

Am Ende der Tagesetappe passierte ich Sibiu und erreichte mein Ziel in Michelsberg (rum. Cisnădioara). Dort traf ich auf die Reisegruppe meines Vaters, die bereits Quartier bezogen hatte, was ich nun auch nachholte. Es handelte sich um ein siebenbürgisches Bauernhaus, in dessen Hof sich ein weiteres Haus befand. Durch eine enge Toreinfahrt gelangte man samt Fahrzeug hinein, schloss das Tor hinter sich und ließ die Welt draußen.

 

Fortsetzung folgt.