Als Automobil-Interessierter hat man es nicht leicht. Der Markt bietet unzählige attraktive Fahrzeugmodelle und man kann nur eins, im besten Fall zwei gleichzeitig sein eigen nennen. Also muss man jede Gelegenheit nutzen, auch mal hinter’s Steuer eines anderen Wagens zu kommen.

Als ich kürzlich auf das Carsharing-Programm von Mazda stieß, dachte ich gleich an das angenehm puristische Roadstermodell MX-5. Gibt’s den vielleicht auch im Carsharing? Zu meiner Überraschung: ja, den gibt’s.

Wie funktioniert das Carsharing?

Für mich war es mein erster Carsharing-Versuch. Braucht man ja eigentlich nicht, wenn man schon einen PKW sein eigen nennt.

Zuerst muss man sich bei der dazugehörigen App anmelden, Dort hinterlegt man neben der Wohnadresse noch die Kreditkarteninformationen. Ab nächsten Update soll wohl auch Lastschrift möglich sein. Danach muss man den Besitz eines gültigen Führerscheins nachweisen. Dazu wird die Postident-App der Deutschen Post genutzt. Vorder- und Rückseite des Führerscheins abfotografiert, kurzes Video des eigenen Antlitzes hochgeladen, fertig, angemeldet.

Mazda unterhält eine Kooperation mit dem Lebensmittel-Discounter LIDL, sodass dessen Parkplätze als Verleihstation genutzt werden können. Also flugs die nächstgelegene Station ausgewählt – Volltreffer, dort ist auch ein MX-5 verfügbar. Gebucht für den Feiertag am 1. Mai für drei Stunden.

Zum Beginn der Mietzeit fanden wir uns an der Station ein. Alle drei Fahrzeuge waren vor Ort, d.h. zum fraglichen Zeitpunkt war keins davon vermietet.

In der Smartphone-App konnte nun das Fahrzeug entriegelt werden. Einen Schlüssel bekam man nie zu Gesicht, Ver- und Entriegelung musste stets über die App erfolgen. Und dann konnte es auch schon losgehen. Tanken nicht nötig, ist im Preis enthalten.

Was kostet das Ganze?

Der MX-5 tummelt sich hier mit 9€ pro Stunde in der höchsten verfügbaren Preisklasse. Dazu kommt ein Kilometerpreis von 0,25€. Am Ende stand für mich mit 3h Mietdauer und 102 gefahrenen Kilometern eine Endabrechnung von 52,50€ zu Buche. Nicht unbedingt ein Schnäppchen, aber für mich den Spaß wert.

Das Gegenbeispiel am unteren Ende der Preisskala ist der Mazda 2 mit einem Stundenpreis von 4€.

Das Auto – der Mazda MX-5

Vorab: der MX-5 steht zu Recht im Ruf einer puristischen kleinen Fahrmaschine.

Das gemietete Exemplar verfügte über die Zweiliter-Maschine mit 160PS, die ab August 2018 durch eine Variante mit 184PS ersetzt wurde. Aber auch mit 160PS fühlt man sich zu keiner Zeit untermotorisiert. Es handelt sich um einen direkteinspritzenden Saugmotor, da Mazda als einziger mir bekannter Hersteller auf Turboaufladung bei den Ottomotoren weitestgehend verzichtet und stattdessen auf hohe Verdichtung setzt. Der japanische Hersteller reizt das Konzept so weit aus, dass man im Sommer 2019 einen Selbstzünder-Benziner auf den Markt bringt. Ein Innovationswille, den man bei den deutschen Herstellern leider vermisst.

Das vorliegende Aggregat im kleinen Roadster fällt trotz Direkteinspritzung nicht durch unangenehm nagelnden Motorlauf auf. Stattdessen grollt es markant aus den Endrohren. Nicht zu laut und nicht zu leise, sondern genau richtig. Wenn der Fuß sich dann auf’s rechte Pedal senkt, ist das Musik in den Ohren, während der Motor sich als Drehorgel der alten Schule präsentiert. Verzögerungsfrei (durch fehlenden Turbolader) schiebt er direkt an und durcheilt das Drehzahlband mit gleichmäßigem Schub ohne je nachzulassen. Mit den begeisternden 1015kg Leergewicht hat er leichtes Spiel.

Zur Höchstform läuft der MX-5 aber in Kurven auf. Unter moderatem Schub stets neutral bis (nach meinem Empfinden) etwas untersteuernd. Unter Last drückt dann früh das Heck, aber stets nur als unverbindliches Angebot für den Fahrer. Es erfordert nicht viel Aufwand, den MX-5 um jede Ecke mit drängendem Heck zu jagen. Es ist aber auch problemlos möglich, ihn sportlich-spaßig zu bewegen, ohne dass Giermoment um die Hochachse aufgebaut wird. Es liegt vollständig in der Hand des Fahrers und der kleine Mazda fährt zu jeder Zeit genau so, wie man das möchte. Giftiges Ausschlagen gibt es nur, wenn man es wirklich darauf anlegt.

Im Kapitel Komfort zeigt sich schnell, dass das nicht die Paradedisziplin des Fahrzeugs ist. Bei offenem Verdeck ist der Fahrtwind akustisch recht präsent. Das geht so weit, dass man lieber mit 80 km/h statt mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit über die Landstraße rollt. Einen wahren Roadster-Fahrer kann das wahrscheinlich nicht schrecken, aber ich fahre sonst nur Fahrzeuge mit geschlossenem Aufbau, sodass der Lärmpegel mir durchaus unangenehm aufgefallen ist. Bei geschlossenem Verdeck wird der Wind zu einem sanften Tosen reduziert, hochfrequentes Pfeifen gibt es nicht. Trotzdem bietet sich der MX-5 nicht primär als Fahrzeug für die Autobahn an. Sein Fokus liegt klar auf kurvigen Landstraßen. Das Mazda sich den Luxus leistet, ein Fahrzeug mit so geringen Multitalent-Qualitäten auf die Räder zu stellen, verdient Respekt. Das zeigt einen Mut, der bei den deutschen Herstellern kaum noch zu finden ist, wo alles gestrichen wird, was nicht mit den Margen-Wünschen der Controller mithalten kann. Man denke zum Beispiel an den Volkswagen Scirocco, der ersatzlos gestrichen wurde.

Im Innenraum gibt es an der grundlegenden Ergonomie nichts auszusetzen. Die Sitze passen wie angegossen. Auch als Fahrer mit 1,92m Körpergröße findet man problemlos Platz. Die Lenkung lenkt, die Schaltung schaltet – und das mit kurzen, knackigen Schaltwegen, dass einen als Corsa-OPC-Fahrer der Neid packen könnte. Bei der Bedienung des Infotainment-Systems, dass über einen von BMWs iDrive inspirierten Drehdrücksteller verfügt, zeigen sich Tücken. Legt man seinen Arm auf der Mittelkonsole ab, betätigt man diesen oft unbeabsichtigt und wundert sich, wie man plötzlich in einem anderen Menü des Infotainments gelandet ist oder das Radio ausgeschaltet hat. Abgesehen davon gibt es aber wenig auszusetzen. Die Armaturen machen einen wertigen Eindruck, alles ist am rechten Fleck, die Materialauswahl passt. Einzig die Türen wirken mit ihren oberen Plastikteilen, die auf Druck schnell nachgeben oder in Bewegung geraten, etwas klapprig.

Fun Fact: das Handschuhfach existiert, aber nicht am üblichen Platz im Beifahrer-Fußraum, sondern hinten zwischen den Sitzen.

Der Kofferraum reicht für eine Wochenendreise. Für alles, was darüber hinausgeht, dürfte der Platz im Gepäckabteil knapp werden.

Fazit

Als Erstfahrzeug eignet sich der MX-5 nur wenig. Wer ungefilterten Fahrspaß der alten Schule erleben will und ein Spaßauto für sonnige Wochenenden sucht, liegt mit dem kleinen Mazda aber genau richtig. Saugmotor, geringes Gewicht, Hinterradantrieb. Die klassischen Fahrspaßzutaten haben auch 2019 nichts von ihrem Reiz verloren, obwohl (oder weil?) sie leider fast in Vergessenheit geraten sind. In Zeiten, in denen selbst BMW mit dem 1er seine Massenplattform auf Frontantrieb umstellt, ist der MX-5 ein angenehmer Anachronismus im modernen Gewand.

Und wer kein Zweitauto haben will oder kann, hat noch die Option des Carsharings.